Streit ist ein Zeichen für die Unfähigkeit, ein Problem zu lösen.

Die Bauvorhaben sind bekannt: Flughafen BER, Elbphilharmonie, Kölner Oper und viele andere mehr. Dies sind Bauvorhaben, die in der Öffentlichkeit stehen, viele andere kleinere und größere Bauvorhaben werden nicht so wahrgenommen. Aber auch hier gibt es das typische Schadensbild: Planungsfehler, Termine werden nicht eingehalten, das Budget wird überschritten.

Wer bei diesem Bauvorhaben hinter die Kulissen schaut, der sieht eins in reichlichem Maße: Streit unter den Projektbeteiligten.

Bauprojekte werden sehr detailliert geplant, sowohl der Bau selbst, als auch der Bauprozess. Es werden Verträge geschlossen, bei großen Projekten extrem umfangreiche Verträge, die wahrscheinlich nur die beteiligten Juristen wirklich lesen. Und dabei ist eins von Anfang an sicher: weder die Planung noch die Verträge können jede Eventualität, jede Abweichung vom Plan, jedes unvorhergesehene Ereignis voraussehen und erfassen.

Und was geschieht, wenn etwas nicht nach Plan läuft?

Fangen wir bei unseren Verwandten, den Tieren an. Welche Reaktionsmöglichkeiten hat die Natur vorgegeben, wenn etwas schief läuft? Wenn ein Fremder in das eigene Revier eindringt? Was geschieht, wenn der Feind auftaucht? Die Natur bietet hier drei Reaktionsmöglichkeiten: Starre, Flucht oder (Gegen-) Angriff.

Dies hat seinen guten Sinn, es ermöglicht eine sehr schnelle Reaktion und damit bestenfalls das Überleben.

Auch wir Menschen funktionieren – immer noch - ganz ähnlich: In vielen, wenn nicht den meisten, Situationen des Lebens reagieren wir sehr schnell mit einer Kombination aus Erfahrung und Emotion, das nennen wir Intuition.

Aber was für den Einzelnen gut ist, das kann für das Projektteam sehr hinderlich sein. Die schnelle Reaktion des einzelnen Beteiligten beim Auftreten eines Problems im Projekt  ist gesteuert von einer Mischung aus Erfahrungen und Emotionen. Er weiß was er will, er weiß was er nicht will, er weiß wer schuld ist und er weiß, was die andern im Projekt jetzt tun müssen. Sich selber  hält er am liebsten raus, Fehler machen immer die anderen. Und wenn man selber einen Fehler gemacht hat, dann wird man diesen besser nicht zu geben. Denn damit wären dann die anderen im Vorteil.

Jeder der Projektbeteiligten bezieht seine Position, dann geht der Streit los. Eine einmal eingenommene Position wird keiner so schnell freiwillig wieder aufgeben. Im Gegenteil: Die einmal bezogene Stellung wird verteidigt, dies tut jeder und damit eskaliert der Streit.

Eigentlich könnten wir Menschen das besser: wir sind in der Lage, vernünftig zu handeln und schwierigste Aufgabe zu lösen.

Damit wir dies gemeinsam tun können, können und müssen wir kommunizieren.

Kommunizieren ist – bei uns Menschen – ein hochkomplexer Vorgang, bei dem der sachliche Inhalt eines Textes, sei er denn geschrieben oder gesprochen, weniger als ein Zehntel des Gesamtinhaltes ausmacht. Es gibt zahlreiche sehr komplexe, oder auch wunderbar einfache (Friedemann Schulz von Thun) Modelle der menschlichen Kommunikation. Leider findet im Elternhaus, Kindergarten  und Schule nur eine Grundlagenausbildung in Kommunikation statt. Und auch später in der Berufsausbildung, beim Studium und im Beruf sind die kommunikativen Fähigkeiten immer noch nur ein Randthema. Viele reden von Soft Skills, gelehrt und gelernt werden aber fast ausschließlich Fakten und Fachwissen. Die meisten können selbstverständlich miteinander reden, aber miteinander reden heißt noch lange nicht, professionell zu kommunizieren.

Professionelle Problemlösung bedarf der professionellen Kommunikation.

Genau daran mangelt es aber leider sehr häufig. Zwar wissen inzwischen die meisten, wie wichtig es ist, gerade bei Problemen und in Krisensituationen lösungsorientiert zu denken und zu kommunizieren - sie handeln aber im Zweifelsfall ganz anders. Statt sich die Zeit zu nehmen, zuzuhören, die Komplexität einer Situation zu analysieren und Lösungsvarianten zu erarbeiten, entscheiden sie lieber „kurz und knapp“ über das weitere Vorgehen. "Nur die schnelle Entscheidung zeigt die tatkräftige Führung."

Wenn diese schnelle Entscheidung dann nicht trägt, dann wird eben gestritten.

Intern gegenüber den eigenen Mitarbeitern ist das noch relativ einfach, auch wenn es auf Dauer zu unnötigen Belastung und damit zu neuen Fehlerquellen führt. Extern, gegenüber Geschäftspartnern, ist dies alles andere als einfach, es ist meistens sehr aufwändig. Wenn die Konfliktparteien aufrüsten und juristische Waffen ins Feld führen, dann ist das der sichere Weg in die Eskalation.

Streiten zeigt die Hilflosigkeit im Umgang mit Problemen und die Unfähigkeit Probleme kooperativ zu lösen. Die Fähigkeit zur  professionellen Problemlösung in Gruppen und Teams ist die Voraussetzung zur Konfliktvermeidung. Und genau das ist es doch, was alle wollen, was allen Projektbeteiligten helfen würde.

Die gute Nachricht: professionelle Problemlösungskompetenz kann man einkaufen. Problemlösungskompetenz heißt in diesem Falle: die Fähigkeit, Gruppen in schwierigen Situation so zu steuern, dass die Beteiligten ihre fachlichen Kompetenzen lösungsorientiert einsetzen können. Problemlösungskompetenz ist kommunikative Kompetenz.

Nicht Streiten ist die Aufgabenstellung, sondern Lösung zu erarbeiten. Und genau für diese Aufgabenstellung sind Mediatorin und Mediatoren ausgebildet, Konflikte zu lösen heißt Lösung zu erarbeiten. Diese Fähigkeit, diese Kompetenz lässt sich immer dann gewinnbringend einsetzen, wenn mehrere Beteiligte an einer Aufgabenstellung arbeiten und dabei ihre zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen zu einem gemeinsamen Ergebnis zusammen führen müssen.

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